• Martin Prost

Machen ist wie wollen, nur krasser


Der Startbereich füllt sich, die Aufforderung vom Veranstalter setzt die Masse wie einen Ameisenhaufen in Bewegung. Nun muss auch ich mich von meiner Begleiterin verabschieden und an den Start. Es ist Sonntag, der 8. November 2015 und ich habe also an einem kalten Sonntagmorgen nichts Besseres zu tun, als hier beim Teltowkanal-Halbmarathon meine ersten Gehversuche bei einem Laufwettkampf zu unternehmen. In dem Moment der Aufforderung vom Veranstalter schiessen mir die Fragen in den Kopf: „Warum liege ich nicht wie „normale“ Menschen um diese Uhrzeit im Bett?“ Oder: „Hätte es nicht auch erstmal ein 5km-Lauf im heimatlichen Stadtpark getan?“

„Ach, überhaupt sind hier sowieso alle fitter und schneller, mein Trainingsplan war bestimmt sinnlos und ich werde ganz sicher Letzter.“

Ein paar mahnende Worte meiner Begleiterin, hektisches Schnüren der Laufschuhe, finales Anbringen der Startnummer mit den Stecknadeln (die gehören nur durch die Kleidung gestochen und nicht in die Haut, heute weiß ich das auch) und 1:46h später laufe ich mit hochrotem Kopf durch das Ziel.

Seitdem hat sich die Sammlung um einige Startnummern und Finisher-Medaillen erweitert.

Inzwischen natürlich auch hin und wieder in der Heimat, aber durch die Entwicklung hin zum Triathlon sind zahlreiche Reisen quer durch Europa (Italien, Polen, Dänemark) mit bleibenden Erinnerungen dazugekommen.

Es ist noch immer faszinierend, wie ein Trainingsplan funktioniert und einzelne Einheiten auf den Körper wirken. Immer mit dem Ziel, die bestmögliche Leistung zu erzielen. Der Maßstab dabei bin ich selbst, nicht die anderen. Das habe ich inzwischen gelernt und verinnerlicht.

Ich bin bei jedem Wettkampf nur so gut, wie ich es dem Tag X sein kann.

Beim Fußball war das früher anders: Du konntest der Trainings-Weltmeister schlechthin sein, wenn der Trainer Dich nur für 5 Minuten spielen lassen wollte, musstest Du das wohl oder übel akzeptieren.

Damals war es aber auch unvorstellbar, sich stundenlang laufend in Bewegung zu halten.

Die Saisonvorbereitung bestand klassisch aus vielen „Sportplatz-Runden“.

Ich erinnere mich, dass einmal sogar ein Pulsgurt zum Einsatz kam. Ein einziger Pulsgurt für ca. 15 Spieler. Den sollte auch nur einer tragen, der vermeintlich „Lauf-Faulste“. Das war überraschenderweise nicht mal ich. Aufforderung des Trainers: „Ihr lauft alle solange, bis er einen 190er Puls hat!“

Heute weiß ich, dass es totaler Unfug war, so eine Vorgabe zu machen, da der Maximalpuls ganz sicher nicht vorhersehbar ist und noch viel sicherer nicht bei jedem Menschen gleich ist.

Klar kommt Erfolg ganz oft immer simpel vom Tun, aber die Theorie ist mehr als nur stumpfe Trainingslehre.

Ich persönlich setze auf dauerhafte Weiterentwicklung von Trainingsmethoden durch einerseits meine Selbsterfahrung aber ich greife inzwischen auch auf eine A-Lizenz Trainer-Ausbildung zurück, die mir ein solides Basiswissen ermöglicht.

Machen ist wie wollen, nur krasser.

Anders als beim Mannschaftssport entscheidet über Deinen Erfolg kein Trainer, nur Du und vor allem Dein Kopf setzt Dir Dein Limit.


„Ich wollte nie wie all die Ander'n sein

Ich weiß besser, was ich will

Das entscheide ich allein

Wer ich bin und was mit mir passieren wird, entscheide ich alleine.

Lass Brücken brennen und Herzen glühen

Nie zurück, nur nach vorne gehen

Niemand kann mir diktieren, wohin es für mich geht

Niemand über den Wolken und niemand der hier unten lebt“

(Songtext: Nur nach vorne gehen / Broilers)

Du entscheidest, ob 2 Grad zu kalt zum Laufen sind. Du entscheidest, ob die Schwimmeinheit am Abend einem Film zum Opfer fällt, den Du bereits zig Mal gesehen hast.

Wenn Du nach der Arbeit oder am Wochenende eine „epische“ Bestzeit aufstellen willst, ist es egal, ob das im Wettkampf oder nur im Training passiert. Es ist egal, ob die anderen heute keinen richtigen Bock haben oder der Trainer für Dich nur den Platz auf der Reserve-Bank vorgesehen hat.

Das spielt hier alles keine Rolle.

Du schnürst die Schuhe, drückst den Start-Knopf auf Deiner Stopp-Uhr und Du bist der Typ, der mit einem breiten Grinsen die Zeit nimmt, wenn all die Arbeit getan ist.

Was ich sagen will:

Ich mache das alles für keinen Anderen als mich selbst. Ich genieße die Reise und erfreue mich an jedem noch so kleinen Fortschritt.

Also, was Du dazu sagst, ist vielleicht interessant, aber nicht unbedingt wichtig für meinen Weg.

In jedem Fall respektiere ich Deinen Weg, wenn Du es mit meinem genauso machen kannst.


Aloha, Martin

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